Dienstag, 16. Dezember 2014

Schöne Weihnachtstage und ein Gutes Neues Jahr!


Der Blog des Offenen Jugendzentrums macht Weihnachtsferien bis Anfang Januar 2015, dann geht es wieder weiter! Bis dahin alles Gute!

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Revival-Party hat Folgen: ein Scheck für das Schoko e.V.

Eine Anfrage meinerseits, ob sich die Stadt Bayreuth als Sponsor der Revival-Party des Offenen Jugendzentrums am 2.Mai 2015 beteiligen möchte, wurde von Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe sehr weise wie folgt beantwortet:

"Ihren Vorschlag eines Sponsoring greife ich gerne auf und schlage Ihnen vor, im Rahmen der Veranstaltung, die ja am 2.Mai 2015 in der Schoko stattfinden wird, einen Scheck an den Verein Schoko e.V. für die laufende Jugendarbeit zu übergeben. In der Schoko wird der Gedanke der selbstverwalteten Jugendinitiative weiter getragen. Ich meine, ein Zuschuss zu dieser Arbeit kann auch in Ihrem Sinne sein."

Ich empfinde das als einen fantastischen Vorschlag, und es ist schön zu wissen, dass die Jugendarbeit des Vereins Schoko e.V. durch unsere Revival-Party in den Genuss einer zusätzlichen Förderung kommt!

Liebe Frau Merk-Erbe, Liebe Stadt Bayreuth, Herzlichen Dank!

 Weiterführende Links: 

>>> Schoko e.V.
>>> Schoko auf Facebook
>>> Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (BG)

Zahlenspiele: 1-1-25-50-150-175-5000

Es ist mal wieder Zeit für Statistik und das Highlight ist natürlich das 50.Mitglied im Mailverteiler, Glückwunsch an Ute!

1
1.Platz im Google-Ranking für die Suche „Offenes Jugendzentrum Bayreuth“ und etliche weitere Treffer auf der 1. Trefferseite, die sich auf das Offene Jugendzentrum Bayreuth beziehen.
1
Mittlerweile ist der Blog auch für die Suche „Jugendzentrum Bayreuth“ auf der 1.Seite gelandet, aber weiterhin klar hinter dem kommunalen Jugendzentrum platziert. Es wäre natürlich schön, zur Party wenigsten einmal den ersten Platz innezuhaben.
25
25 Besucher des Blogs haben am Voting teilgenommen und angegeben, ob sie planen, an der Party am 2.Mai 2015 teilzunehmen. Wer es noch nicht getan hat: bitte am Voting ("ich komme") teilnehmen! (Nachtrag: Das Voting ist nicht mehr verfügbar!)
10.12.2014:
50
50.Mitglied: Ute
Glückwunsch und Danke! Mit Ute hat sich am 10.Dezember 2014 das 50. Mitglied im Mailverteiler registriert. Das Wachstum des Verteilers hat sich zwar etwas verlangsamt. Dafür besteht jetzt aber zusätzlich Kontakt zu vielen anderen Interessenten, z.B. über Facebook, die sich aber noch nicht in den Mailverteiler eingetragen haben. Daher hier erneut der Aufruf: Bitte registriert euch im Mailverteiler, motiviert andere, sich auch einzutragen! Bitte bewerbt den Blog und die Party!
10.12.2014:
150
Am 2.Dezember 2014 waren es nur noch 150 Tage bis zur Party – einerseits verrennt die Zeit, andererseits ist glücklicherweise noch genug Zeit da, um alles vorzubereiten und hoffentlich alle Kontakte von damals zu erreichen.
2.12.2014:
175
Die verbleibende Zeit bis zum 2.Mai werden wir vor allem für das Sponsoring benötigen. Denn nur 175,-- EUR sind bisher auf dem Sponsorenkonto eingegangen, allerdings bisher auch ohne richtig aktives „Fundraising“, das erst 2015 starten wird. Nichtsdestotrotz: Firmen, Organisationen, Parteien oder damals gestresste Eltern und Verwandte sind schon jetzt gute Ansprechpartner für ein kleines Sponsoring zwischen 50,-- und 100,-- EUR – und eine ehrenhafte Erwähnung unter den Platinum-Sponsoren gibt es dazu.
Mehr dazu hier: Sponsoren
10.12.2014:
 5.000 Am 2 Dezember 2014 erfolgte der 5000ste Seitenaufruf des Jugendzentrum-Blogs!
2.12.2014:

Sonntag, 7. Dezember 2014

Christian: Top 20 (1974-1982)

Prolog: Ich musste lange überlegen, wie ich diese Liste meiner Top 20 Musikstücke der Jahre 1974 bis 1982 zusammenstelle. Es dauerte richtig lange. Viele Zusammenhänge wurden mir selbst erst jetzt beim Suchen und nachträglichen Aufarbeiten klar und die meisten Fakten und interessanten Hintergründe habe ich erstmalig beim Erstellen dieser Top 20 erfahren. Aber warum bewegen und erregen einen manche Stücke und Stile ein Leben lang? Warum bleiben sie ewig einbrannt? Welche Punkte im Inneren des Ich treffen und berühren sie? Sind es die angedockten Erinnerungen? Ist es das konservierte Lebensgefühl? 


Christian TOP 20: 1974-1982 

1971, Leonhard Cohen , Avalanche (Songs of Love and Hate)
Eigentlich liegt das ja vor dem hier relevanten Zeitraum (1974-1982), aber Leonhard Cohen hat in meine frühe Jugendzentrumszeit hineingestrahlt, da gibt es eine untrennbare Verbindung.

1973, Mike Oldfield, Introduction (Tubular Bells)
Das war wirklich ganz neu und hatte man so noch nicht zuvor gehört. Ich glaube, im Juzet lag eine Scheibe herum. Und da es zugleich das erste von „Virgin Records“ überhaupt veröffentlichte Album war und verkaufstechnisch einschlug wie eine Bombe, verdanken wir den Tubular Bells von Mike Oldfield  auch Sir Richard Bransons heutige Omnipräsenz.
Renate Knaup, Amon Düül II

1973, Amon Düül 1973, Surrounded by the Stars (Wolf City)
Amon Düül II ist ein gigantischer Meilenstein, so prägend, und eine Auswahl fällt schwer. Es gibt bessere Aufnahmen von Surrounded by the Stars, und den Experimentalpart muss man erst einmal verdauen, aber in diesem Video kommt Renate Knaup so unschlagbar gut rüber, das gab den Ausschlag.

1974, Gentle Giant, Proclamation (The Power and the Glory)
Die Multi-Instrumentalisten von Gentle Giant überraschten mit neuen komplexen Rhythmus- und Gesangsstrukturen.

1974, Genesis, Carpet Crawlers (The Lamb Lies Down on Broadway)
Die erste WG, viel Tee, viel Qualm aus selbstgedrehten Zigaretten, nächtelanges Philosophieren, eine stille Liebe, perfekt begleitet von den Genesis um Peter Gabriel und Steve Hackett, bevor sie später in den 80ern ohne Peter Gabriel und Steve Hackett, aber mit Phil Collins zu Superstars wurden – ohne die Tiefe und die Emotionen der 70er je wieder zu erreichen.

1975, Aera, Papa Doing (Aera humanum est)
Franken aus dem Nürnberger Umland, mit Wurzeln bei “Ihre Kinder”, legendäre Live-Auftritte

1976. Embryo, Laid Back (Bad Heads and Bad Cats)
Eigentlich nicht mein Geschmack, viel zu jazzig, aber weil sie dieses Stück bei ihrem Konzert für das Jugendzentrum 1977 gespielt haben, bekommen embryo einen Platz in meiner „Hall of Fame“

1976, Peter Tosh, Legalize It (Legalize it)
Der “Minister of Herbs” erläutert seine Forderung: Legalize it!
In Deutschland war das Stück von 1980 bis 2005 offiziell indiziert, was den Kultstatus des Stücks natürlich zusätzlich befeuerte. Die Verkäufe gingen aber trotz Indizierung offen weiter. Viel später, 1987, singt Peter Tosh in seinem letzten Album eine Strophe “Take always care of your friends, money can make friendship end”. Diese Prophezeiung wurde kurz danach tragisch wahr, als er von Freunden erschossen wurde, die Geld von ihm haben wollten.

1976, Can, I want more (Flow Motion)
Von Can kann man einfach nicht genug bekommen, so innovativ, so experimentell und abwechslungsreich, daher passt I want more aus dem Jahr 1976 ideal in diese Sammlung.
Dass diese Musik die Sonne sogar bei Nacht zum Scheinen bringt, ist offensichtlich. Also setzen wir noch ein Stück aus 1977 drauf: Sunshine Day and Night aus dem Album „Can Saw Delight“

1977, Daevid Allen, Only make love if you want to (Now Is the Happiest Time of Your Life)
Unschlagbarer Umsetzer von Hippie-Fantasien in psychedelische Musik: Daevid Allen. Eines von lauter durchgängig fantastischen Werken auf der LP - treuer Begleiter auf vielen nächtlichen Autofahrten.

1977, Ashra, Track 4 (Blackouts)
Ashra, vormals Ash Ra Tempel, hat die 70er fast jedes Jahr mit einer Scheibe bereichert. Stellvertretend für ihr Lebenswerk hier ein Stück aus dem Album Blackouts, 1977. Starker Synthesizer-Sound, aber dabei nie Manuel Göttschings unnachahmlichen Gitarrenklang verdrängend.

1977, Hölderlin, Rare Birds ( Rare Birds)
Hölderlin, da denkt man an die früheren Requiem für einen Wicht, Hölderlin‘s Traum, oder Mad House, aber meine Wahl fällt auf Rare Birds, von meiner Familie treffsicher und hämisch als „depressive Kiffermusik“ charakterisiert – und damit ist eigentlich alles gesagt.

1978, Eno Moebius Rodelius, The Belldog (After the heat)
Was kann man über Eno schon sagen?  Wo soll man beginnen? Roxy Music, Ultravox, Talking Heads, …?  Sein Werk macht sprachlos.

1978, Doors, An American Prayer
Wunderschöne Hommage an den bereits verstorbenen Jim Morrison, der aus seinem Gedichtband rezitiert, die Musik daruntergelegt von den noch lebenden ehemaligen Bandmitgliedern, die sich zur Aufnahme des Albums wieder zusammenfanden.

1978, Dave Warner’s From the Suburbs, Mugs Game (Mugs Game)
„A savage journey to Australian suburbia's heart of darkness“…in Deutschland kaum bekannt und wo, wann und warum diese Scheibe in meinem Leben auftauchte, ist längst im Nebel der Vergangenheit verschwunden, aber Mugs Game ist über all die Jahre präsent geblieben und knüppeldick mit Erinnerungen an einen besonderen Freund gefüllt.

1980, Nina Hagen, African Reggae (Unbehagen)
Nina Hagen kann ganz schön nerven, und das tut sie eigentlich fast immer, aber mit diesem Song erzeugt sie eine ganz andere Form von Unbehagen: Super Rhythmus, Reggae-Elemente, starker Bass, sehr abwechslungsreich, und voller Power, aber mit sehr ernsthaftem Hintergrund. Dieser wird in der Studioaufnahme von der dominanten Musik eher verdrängt, kommt in der späteren Live-Aufnahme aus Roskilde aber viel deutlicher rüber.

1980, Talking Heads, Listening Wind (Remain in Light)
Meine persönliche Hymne, die den Übergang von 70ern zu 80ern inszeniert. Die Post-Punk-New-Wave-Helden um Brian Eno haben tiefe Spuren hinterlassen. Anstelle des bekannteren Once in a Lifetime bekommt hier einmal Listening Wind den Vorzug, aber der Vorzug hätte genauso gut auch Houses in Motion oder jedem anderen Stück auf diesem unglaublichen Album zugestanden.

1981, Grace Jones, I’ve seen that face before Libertango (Nightclubbin’)
Grace Jones
Die brikett-frisierte Kultfigur der Aids-Generation führt die 70er in die 80er über. Berlin, besetzte Häuser, Haig-Demo. Ihr Stil, ihre Musik und ihre Stimme bleiben einzigartig und in 2008 hat sich Grace Jones mit Corporate Cannibal in ihrem 60igsten Lebensjahr noch ein Denkmal gesetzt.

1981, Human league, Do or Die (Dare)
Und noch ein stil-bildender Protagonist der 80er, noch disco-orientierter: The Human League, mit dem eher selten gespielten Do or Die, hier mit einer perfekt synkopischen Tanzperformance der beiden Ladies, die Phil Oakey bis heute begleiten. Bye, bye 70er, hier sind endgültig die Disco-80er….

1982, Czukay, Wobble, Liebezeit, Trench Warfare (Full Circle)
Zum Abschluß aber kein Disco, kein Mainstream, stattdessen ein wunderbar dusteres Stück von 1982, Trench warfare, hier 2010 von einem in diesem Moment 72 Jahre alten ehrwürdigen Holger Czukay und seinen Maschinen live in Lissabon gespielt.


 Hinweis zum Urheberrecht: 

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Freitag, 5. Dezember 2014

Zeitsprung II - Rocky Horror Picture Show 1975

https://www.youtube.com/
watch?v=sg-vgGuTD8A
 
Als ich über das Phänomen des Zeitsprungs im Zusammenhang mit dem Uriah Heep Konzert nachdachte (siehe vorheriger Artikel), fiel mir plötzlich einer der berühmtesten Zeitsprünge ein – der „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show. 

Und siehe da: die Kinofassung wurde 1975 gedreht, also mitten in der Lebenszeit des Jugendzentrums. Premiere war im selben Jahr. Den Durchbruch in Deutschland erzielte die Filmversion dann nach einigen Anfangsschwierigkeiten schließlich Ende der 70er Jahre. Rocky Horror Picture Show ist damit ein echter 70er-Meilenstein und daher absolut wert, hier an dieser Stelle in die Rubrik „Zeitgeist“ aufgenommen zu werden.

Rocky Horror Picture Show will letztendlich nichts sagen, hat keine politische Botschaft, kritisiert nichts und niemanden, wühlt nicht in der Vergangenheit, und macht auch keine Vorschläge für eine bessere Zukunft. Rocky Horror Picture Show ist teilweise seicht und platt und einfach nur da, aber auch nicht totzukriegen. 

https://www.youtube.com/
watch?v=G5MHNvOVl8Y
 
Vermutlich ist genau das der Grund, warum in den „MuseumLichtspielen“ in München der Film seit 24. Juni 1977 noch immer ununterbrochen jede Woche im Programm  ist – Weltrekord!

Und damit das funktioniert, muss es genug Verrückte geben, die sich (aus welchen Gründen sei dahingestellt) Rocky Horror Picture Show immer und immer wieder ansehen - ich habe es mir damals 5 Abende hintereinander reingezogen.

Man könnte versuchen, aus dem Spiel mit der Moral eine komplexe Botschaft zu konstruieren, würde damit jedoch dem Film eine zu hohe Komplexität beimessen. Aber ohne Frage: Rocky Horror Picture Show ist subtil erotisch, kehrt einige Moralvorstellung auf charmante Art und Weise um, und die sexy "Toucha, Toucha, .."-Szene mit Susan Sarandon und Rocky (".. I wanna be dirty...") ist sicher ein wunderbarer Gegenentwurf zu der damals fast zeitgleich im Kino laufenden, sehr erfolgreichen Reihe mit vorgeblich sozialkritisch-proletarischem Touch: "Lass jucken, Kumpel". Für YouTube ist die Toucha-Szene aber sogar schon zu scharf, daher ist für das Ansehen ein Altersnachweis erforderlich!

Einige ausgewählte Links zu Video/Musik-Ausschnitten aus der Rocky Horror Picture Show:

Auch einen Blick wert: Google-Bilder zu "Time Warp"

Und wer Tiefgang sucht, der findet mehr zur Thematik von "Zeitreisen" in der Art von "Als Zeitreise bezeichnet man eine Bewegung in der Zeit, die vom gewöhnlichen gerichteten Zeitablauf abweicht bzw. auch eine Bewegung durch die Zeit. Mittels der Relativitätstheorie sind Szenarien beschreibbar, in denen durch den Effekt der Zeitdilatation „Reisen“ in die Zukunft stattfinden. Ob hingegen auch Reisen in die Vergangenheit, wie sie in vielen Science-Fiction-Erzählungen beschrieben werden, überhaupt prinzipiell physikalisch, logisch oder metaphysisch möglich wären, wird vielfach bezweifelt und es gibt dafür keinerlei empirische Evidenz...." auf Wikipedia

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Zeitsprung I - Uriah Heep, HH, 2.12.2014, Große Freiheit 36


Das hätte ich mir damals nicht vorstellen können, am 2.Dezember 2014 gemeinsam mit 1000 mehr oder weniger gesetzten Alt-70ern, die langen Haare oftmals gegen Glatzen getauscht und unter denen ich sogar eher einer der Jüngeren war, im ehrwürdigen Hamburger Club „Große Freiheit 36“ Uriah Heep live zu sehen. Der Altersdurchschnitt wurde nur von denen gesenkt, die ihre Kinder mitgebracht hatten, damit die auch mal sehen konnten, wie und wozu Mama und Papa früher so abgingen. Auch wenn ich nie ein großer Hardrock oder Uriah Heep Fan gewesen war, so konnte man sich der Musik von Uriah Heep über all die Jahre damals unmöglich entziehen - dafür war die Band in ihrem Metier zu präsent und einflussreich. Kaum eine Party ohne „Lady in Black“ (1971) oder "Easy Livin'" (1972) und in der Geschichte des Juzets diente "Lady in Black" 1979 auch einmal dazu, um Frust mit einer Nachbarin abzubauen (siehe Dokumente in der Geschichte des Juzet).

Da standen sie nun also auf der Bühne, allen voran Bernie Shaw (lead vocals), der stramm auf die 60 zugeht. Aber untrennbar mit Uriah Heep verbunden ist vor allem ein sympathisch verwitterter End-Sechziger Mick Box (lead guitar) - der letzte tapfere Mohikaner aus der Urformation und der musealisierte 70er-Wahnsinn schlechthin, der lebende Beweis für die exzellente Qualität des menschlichen Bio-Organismus: durch diesen Körper sind vermutlich Tonnen von Drogen in allen denkbaren Formen, aber scheinbar ohne größere, bleibende Schäden gewandert und mäandert. Mancher seit Jahrzehnten ernährungsbewußt und koscher lebende Gesundheitsfanatiker wäre froh, die Fitness und den Körper von Mick Box mit 67 Jahren noch zu besitzen...

Da es zum Selbstverständnis von Künstlern gehört, nicht nur die alten Sachen abzuträllern, sondern - sofern vorhanden - neue Produkte, the New Uriah Heep, zu präsentieren, passte es gut, dass gerade erst ein Album namens "Outsider" neu veröffentlicht worden war, und das gab offenbar einiges her, z.B. "One Minute" - klang nicht schlecht.

Aber natürlich lechzten die Fans auch nach den Erinnerungskonserven der guten alten Zeiten und die wurden dann zur allgemeinen Befriedigung im zweiten Teil der Show geöffnet, und der Geist der 70er stieg unvermeidbar wieder auf.......... Das passte irgendwie gut in die Vorbereitungen zu der Jugendzentrum-Revival-Party. Für eine quasi "volkskundliche Feldforschung" war die „Große Freiheit 36“ für einen kleinen Zeitsprung mit Uriah Heep genau der richtige Ort. Und da stand ich also in der Menge und hatte echt meinen Spaß.

Auch wenn mein Smartphone völlig überfordert war, hier ein paar Liveeindrücke (Videos) allerminderster Qualität:

         


 Weiteres Anschauungsmaterial: 

Uriah Heep - Denn sie wussten nicht, was sie tun (aus: Classic Rock, 11.3.2014)/
Uriah Heep in Wikipedia
Offizielle Uriah Heep Website

Montag, 1. Dezember 2014

Kassettenrekorder töten Musik
Home Taping Is Killing Music

http://de.wikipedia.org/wiki/
Kassettenrekorder
Obwohl schon 1963 erstmals auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin von Philips vorgestellt, wurde die Audio-Kassette (Compact Cassette) erst in den 70ern richtig populär. "Mixtapes" erlaubten plötzlich die kreative, selektive Aneinanderreihung von (kopierten) Musikstücken. Quasi aus dem "Nichts" und mit geringen Kosten konnte man neue Ausdruckformen und audiophile Werte entstehen lassen, Das Gesamtkunstwerk wurde mit einem handgemalten oder collagiertem Tape-Cover abgerundet, und fertig war ein schönes Geschenk. Statt Blumen ein liebevoll zusammengestelltes und individuell designtes Mixtape, so manche unvergessene Liebeserklärung wurde mit den kleinen handlichen Plastikboxen übergeben.

"Sicher ist: Das Leben in den Siebzigern und Achtzigern wäre irgendwie ein anderes gewesen, hätte der Holländer Lou Ottens nicht das tragbare Tonband – die Audiokassette – erfunden." (Zeit.de, 28.8.2013)

http://www.zeit.de/wissen/2013-08/
fs-audio-kassette
Angenehm auch die verlängerte Abspieldauer: musste eine Schallplatte nach ca. 20 Minuten gedreht oder gewechselt werden, passten dagegen auf eine tpische 90er Kassette problemlos zwei komplette Schallplatten, jeweils eine pro 45-Minuten Seite.

Die Kassette machte Musik in einem bis dahin nicht vorstellbaren Maße transportabel. Autokassettenspieler - natürlich nachträglich als Bausatz eingebaut - gaben dem Autofahren einen völlig neuen "Drive" und reduzierten die Abhängigkeit von den musikalisch sowieso meist ungenießbaren Radiosendern, die wegen der ständigen Frequenzverschiebungen zudem laufend nachjustiert werden mussten. Dank Autoreverse entfiel sogar das Umdrehen der Kassette und das Musikvergnügen wurde im wahrsten Sinne des Wortes endlos.

Blöd nur, wenn das Fahrvergnügen plötzlich durch kurzes Bandjaulen und anschließend einen kapitalen Bandsalat beendet wurde. Per Notoperation musste dann das im Inneren des Abspielgerätes völlig verhedderte Band mühsam herausgezogen werden. Kugelschreiber oder Bleistift waren die normal üblichen Werkzeuge, um die Bänder anschließend wieder aufzurollen. Dafür gibt es als Hommage sogar ein T-Shirt.
http://www.whudat.de/cassette-tape-spine-art-
by-steve-vistaunet-4-pictures/

Massive Knick- und Knitterstellen erinnerten einen in Zukunft stets mit schönen Verzerrungen und Heulern immer wieder an die Vergänglichkeit alles Seins. Hatte sich das Band auf die Rückseite verdreht und wurde das magnetische Tonsignal von Lesekopf somit durch die Rückseite des Bands gelesen, dann klang das auch mal wie rückwärts laufende 12-Ton-Musik.


Im unglücklichsten Fall ließ sich ein komplett verheddertes Band nur durch Zerreißen des Bandes aus dem Abspielgerät lösen und man musste hoffen, dass keine Bandreste im Inneren der trickigen Mechanik weiter ihr Unwesen treiben würden. War nicht Besseres zur Hand - und das war besonders typisch, wenn der Salat beim Autofahren passierte - konnte das gerissene Band auch einfach wieder verknotet werden, wobei der Knoten vor dem Wiedereinfädeln des Bandes in die Kassette dann sehr flach gedrückt und gequescht werden musste, damit der Knoten auch weiterhin durch die schmalen Führungsschlitze der Kassete und der Laufwerksmechnik passte. Fortan konnte man bei jedem Vorbeilaufen der geknoteten Stelle am Tonkopf hörbar mitfühlen und mitzittern, wie sich die Verdickung übel jaulend durch die Transportmechanik des Gerätes quälte.Wurde die geknotete Stelle vom Gerät erfolgreich bewältigt und der Musikgenuss ging ungetrübt weiter, war die anschließende Erleichterung aber grenzenlos und dieser Flash glich den Schaden wieder aus.
70er HiFi Kassettendeck von Technics
http://de.wikipedia.org/wiki/Kassettenrekorder

Die Klangqualität der Kassette kam auch mit guten HIFI Kassettendecks nicht an die Schallplatte heran, aber die Transportabilität und die neue Kopierbarkeit von Musikinhalten verhalfen dem Medium trotzdem zu einer riesigen Erfolgsgeschichte.

http://de.wikipedia.org/wiki/
Home_Taping_Is_Killing_Music
Kein Wunder, dass die British Phonography Industry 1980 ihre Kampagne "Home Taping Is Killing Music" startete.

http://de.wikipedia.org/
wiki/Walkman
Zuvor war 1979 der Walkman von Sony auf den Markt gekommen und wurde eines den Stil und den Zeitgeist der 80er prägenden Elemente. Musikgenuß war plötzlich immer und überall möglich, und das nervige "Gelaber" der Mitmenschen (z.B.im Bus) konnte mühelos zu reinen Lippenbewegungen reduziert werden - eine elegante Art und Weise "Ihr könnt mich mal.." zu sagen und ungestört seinen Träumen von einer besseren Welt zu fröhnen.



>>> Kassettenrekorder von Saba
>>> diverse Kassettenrekorder der 70er

Dienstag, 25. November 2014

Unverzichtbarer Lebensgefährte:
der Plattenspieler

commons.wikimedia.org...
Damals zwischen 1974 und 1982 war ein Zimmer ohne Plattenspieler fast unvorstellbar. Sei es nun eine Plattenfräse oder ein High-End-Gerät, aber ohne ging jedenfalls gar nichts.

Die meisten Jugendlichen von heute werden mit den folgenden Begriffen nur wenig anfangen können: Kardanische Aufhängung des Radial-Tonarms, Federbalancierung, statisches oder dynamisches Anti-Skating, Justierung des Auflagegewichts, Abtastsysteme, Tangentialtonarm, Reibrad-, Riemen- oder Direktantrieb, Gleichlauf, Rumpelfaktor, Stroboskop, Plattentellergewicht, Synchron- oder Asynchronmotor, Nassabspielen, usw.  – damals gehörten diese Begriffe zum weitverbreiteten Vokabular für alle, die mitreden wollten, und wer wollte, der konnte sich allein mit einem Plattenspieler ein Universum von nie endenden Herausforderungen an die analoge Musikwiedergabe erschaffen.


Denn mit den aus diesen mechanischen Faktoren ableitbaren Einflüssen auf die Klangqualität, also die hohe technische Komplexität einer weitgehend reibungs- und spielfreien Lagerung, und die technisch feinsinnigen Maßnahmen zum Ausgleich von Verzerrungen durch zwangsläufige Spurfehlerwinkel  beim Radialtonarm, ergaben sich für den HiFi-Fanatiker zahllose Diskussions- und Glaubensfragen. Über die nachfolgende Entzerrung und Verstärkung des vom Tonabnehmer genommenen Signals durch den jeweils gewählten Verstärker kam dann nochmals eine unendliche Anzahl elektronisch-analoger Einflussfaktoren für den perfekten Klang dazu.

www.hifi-studio.de/...
Dual, Elac, Thorens, Kenwood, Lenco waren einige der Marken, an die ich mich erinnere. Im Jugendzentrum tat - glaube ich - irgendein Dual-Plattenspieler seinen Dienst.

Aus der Qualität des jeweils verwendeten Plattenspielers und der Exzentrik des Benutzers ergab sich fast zwangsläufig der individuelle Stil im Umgang mit den Platten selbst: Akribische Lagerung immer in der Hülle, elegante berührungsarme, fließende, feinmotorisch geschickte Entnahme der Platte aus der Hülle und sanftes Auflegen der Platte ohne Fingerabdrücke, gewissenhafte Reinigung mit einer Ziegenhaar-Bürste, feinfühliges, sensibles und Zen-inspiriertes, kultvoll zelebriertes Auflegen des Tonarms. Oder: grobschlächtiges Betatschen der Rillenfläche mit (fettigen) Fingern, „Aufwerfen“ der Platte auf den Teller, während die Asche von der Kippe auf die Rillen bröselt, und „Einpressen“ des Tonarms und Nadel in die Rillen (sofern beim ersten Mal der Anlaufbereich überhaupt getroffen wurde und die Nadel nicht den Plattenteller neben der Platte abtastete) und Ablage der Platten direkt aufeinander ohne Hüllen in einer Bierlache.

Aber auch bei bester Handhabung war jede Platte früher oder später ein Unikat, dank letztlich unvermeidbarer Kratzer (und wenn nicht eigene, dann immer ein paar mehr nach jedem Verleihen), und einem je nach Plattenspieler sich mit der Zeit verstärkendem Grundrauschen. Markante Kratzer wurden zwangsläufig integraler Bestandteil des Hörerlebnisses, vor deren Eintreffen man andere auf die Zehntelsekunde genau präzise warnen konnte. Ein Verspringen des Tonarms mit unfreiwilligem Rhythmuswechsel oder Eintreten in eine Endlosschleife, was manche massiven Kratzer mit sich brachten, konnten auch mal mit einem „Nachfräsen“ (Nadel, Rasierklinge, Messer, o.ä., siehe Video unten) behoben werden – allerdings oft zu Lasten eines dann deutlichen Kratzerschlags in den Boxen.



Weitere typische mechanische Einflussfaktoren des täglichen Lebens, die fast jeder Plattenliebhaber kennen wird, und über die unsere heutigen, immer identisch geklonten MP3-Digitalisate irgendwo in der Cloud nur noch milde und sägezahnkurvig lächeln können:

  • Kaffee, Tee, Bier, Zigarettenasche etc. über die Platte und den laufenden Spieler schütten
  • während des Abspielens gegen den Plattenspieler rennen und den Tonarm quer über die Platte fräsen lassen
  • aus dem Regal über dem Spieler ein Buch herausziehen und dabei ein zweites Buch auf den laufenden Tonarm fallen lassen
  • Platten in der prallen Sonne liegen lassen (worauf hin sich die Plastikfolie der Schutzhülle untrennbar mit der Rillenfläche verklebt und die Platten extreme Wellen werfen)
  • Platten versehentlich aus der Hülle rollen lassen, und zusehen, wie diese dann über den Straßenbelag "gleiten"...
  • oder einfach eine Katze zuhause haben, die Bob Marley (70er!!) scratcht:

 Weiteres Anschauungsmaterial: 



Freitag, 21. November 2014

Fundstellen: Kleinanzeigen in der WIR

Kleinanzeigen sind das Facebook, Twitter und ebay von damals. In der WIR waren sie die auf 25 kostenlose Wörter verdichtete Wiedergabe und Interpretation des gnadenlosen Alltags. Hier ein paar herausragende Fundstellen:



Zum Stand der Technologie:
Wahnsinn: 2 extra Antennen für 2 schwarz-weiße Programme,  eine riesige Bildschirmdiagonale, Fernbedienung ein Fremdwort (mit 2 Kanälen kann man auch nicht zappen), die Reduktion auf das Essentielle.



Weihnachtsgeschenke:
Das habe ich leider 40 Jahre zu spät gesehen: Den hätte ich meiner Mutti damals vielleicht geschenkt. Batik war jedenfalls ganz groß und in! Nur Männer haben damals offensichtlich keine Schals getragen.



Schon immer da - Kontaktanzeigen:
Ok, mit „Waldspaziergänge“ hat Anarchibald eine schöne Umschreibung  gefunden. Hoffentlich hat er damals seine Chance bekommen und sein Glück gefunden. Heute würde er vermutlich „parshippen“, aber würde er bei Parship so liebevoll süß wie hier schreibmaschinengetippt in der WIR wirken?




Noch eine glasklare Kontaktanzeige
Bei der nächsten Kontaktanzeige geht es schon etwas deutlicher zu: „fir olles was sa muss“ ist eine klare Ansage, denn wie wir alle wissen: „was muss, das muss“ ;-) Seriöses Aussehen als zusätzlich Bedingung ist sicherlich angemessen, denn „wenn schon, denn schon“. Welche Rolle Telefon, Kühlschrank und WC hier spielen ist allerdings nicht ganz klar – erst per Telefon verabreden, dann das Mannsbild im Kühlschrank schockgefrieren und durchs WC  spülen? Und ist mit dem „BILD“ ein Foto oder genau die BILD gemeint, an die dann später die Gruselstory verkauft werden soll? Fragen über Fragen, auf die 40 Jahre später eigentlich nur die damalige Inserentin eine Antwort geben könnte.




Echte Lebenshilfe, damals wie heute:
Das ist jetzt zwar keine Kleinanzeige, aber stand ganz in der Nähe der Kleinanzeigen, darum bin ich drauf gestoßen. Heute ein nicht mehr existierendes Bild: Tramper an Raststätten und Landstraßen, langhaarig, bunt, Schlabberklamotten. Damals weitverbreitet, heute ausgestorben, klar dass die WIR hier Lebenshilfe bieten musste. Die aufgelisteten Empfehlungen helfen heute zwar nicht mehr beim Trampen, können aber bei jedem Bewerbungsgespräch von Nutzen sein, denn das sind Empfehlungen für die Ewigkeit! Und sie zeigen auch, wie wohlerzogen, gesittet, vorausschauend und dankbar wir auch sein konnten - von wegen lanhaarige Affen...




Noch eine Kontaktanzeige, diesmal aber raffiniert kaschiert
Bei der nächsten Anzeige frage ich mich, ob das nicht einfach ein Versuch ist, aus einem schnellen Abenteuer doch noch eine Beziehung zu flicken? Oder jemanden zu besänftigen, der/die so schnell das Weite gesucht hat, dass die Socken liegen bleiben mussten? Wenn die Socken noch riechen, dann kann es ja gar nicht so lange her sein, dafür müsste ein normales Gedächtnis reichen. Oder wird der Inserent/die Interessentin regelmäßig von Menschen, die sich bei ihm/ihr die Socken ausziehen, überflutet? Beneidenswert. Wie auch immer: der Mensch und seine Beziehungen, die Quadratur des Kreises, hier auf 4 Zeilen kongenial verdichtet und für die Ewigkeit konserviert.



Alternative Versandbuchhandlung mit einem interessanten "Product-Mix":
Um alles weitere über die Themen von damals zu erfahren, genügt ein Blick in das Angebot der alternativen Versandbuchhandlung. Interessant ist vor allem „AKW, Gartenbau-Zeitschriften und Anti-Atom-Aufkleber“. Was bitte machen die Gartenbau-Zeitschriften zwischen AKWs und Anti-Atom-Aufklebern? Gut und Böse leben hier offenbar in trauter Nachbarschaft. Vielleicht ist das die eigentliche ultimative Erkenntnis, die hier versteckt transportiert werden soll. Und vielleicht ist das gar keine alternative Versandbuchhandlung, sondern Manuel Neuer.



Männer haben auch Gefühle 
Was Männer 1978 beschäftigt, will der Männerkalender thematisieren, aber sich vor allem über eine Kleinanzeige in der WIR dem Käufer, dem Mann, anbieten. Ein Thema ist diese böse, sexualisierte Umwelt, die uns Männern ständig so zu schaffen macht. Es dauerte dann noch genau 20 Jahre, bis die Ärzte 1998 mit dem Lied „Männer sind Schweine“ endlich die finale Antwort gefunden hatten. Insofern ist Sterilisation schon eine gute und weit vorausblickende Empfehlung gewesen. Davor will aber noch die neue Innerlichkeit gefunden werden - "Leck mich am Arsch".



Finanzwirtschaft und Renditeoptimierung am Beispiel der WIR:
Wie weit die WIR ihrer Zeit voraus war, wird an diesen Kleinanzeigen deutlich.  Hat die WIR etwa ungewollt zum späteren Sieg der Marktwirtschaft über den Sozialismus beigetragen? Aber zurück zur Ausgangssituation: Angebot und Nachfrage werden hier in zwei Anzeigen definiert, "biete 3 DM" - "verlange 30 Pf". Derjenige Leser, der nun für 30 Pf+50Pf Porto = 80 Pf die WIR 1/78 von dem einen Inserenten kauft, kann diese also für 3 DM (+50Pf Porto) = 3,50 an den anderen Inserenten verkaufen. Nehmen wir an, die Transaktion dauert 2 Wochen (Postversand!), ergibt sich ein möglicher Gewinn von 2,70 DM, der Einsatz von 80 Pf steigt also um 375 % zu einem respektablen Gewinn Hoch gerechnet auf ein Jahr  wird der Kapitaleinsatz von 80 Pf in nur 2 Wochen also mit 8762% verzinst! Davon können Apple-Aktionäre nur träumen. Ein typischer Fall von falscher Markteinschätzung durch den Anbieter, der angesichts vermutlich großer Restbestände in Panik verfallen ist, sowie gleichzeitig mangelnder Marktkenntnis beim Nachfrager. In dieses Ungleichgewicht springt der Mittler hinein, bedient beide Seiten genau mit dem Preis, den sie erwarten, erzeugt das Gleichgewicht und streicht die Differenz für sich ein. Heute erledigen das Hedgefonds und hier, mit diesen zwei Anzeigen, wurde offenbar die Basis für unsere aktuelle Finanzwirtschaft gelegt, in der sich Geld völlig vom Gut entkoppelt hat.



Alles Betrug?
Allerdings werden meine Ausführungen mit der kurz darauf folgenden Kleinanzeige möglicherweise konterkariert. WIRler haben sich diese Kleinanzeigen aus den „Fingern gesogen“? Möglicherweise gar die Anzeigen erfunden? Wurde hier in großem Stil der Markt manipuliert? Sollten gezielte Gerüchte den Preis pro WIR vielleicht durch die Decke schießen lassen? War der ganze Herstellungsprozess der WIR nichts anders als Grundlage einer raffinierten weltweit angeheizten Spekulationsblase? Wurden wir Leser hereingelegt? Oder wurde hier bereits die Grundlage für all diese hochinteressanten Mails mit seriösen Geschäftsangeboten gelegt, die sich heute in Unmengen in jedem Spamordner wiederfinden? Fragen über Fragen - diesen muss sich die damalige WIR-Redaktion während der Revival-Party mit Sicherheit stellen. Diese Fragen schreien nach Antworten!



Datenschutz
Immer ein Thema: Datenschutz, auch schon 1980, Damals waren Rasterfahndung und Volkszählung ein Muss in jeder Diskussion. Und damit einhergehend wurde immer angesprochen: der Abgleich von Personenprofilen etc. mit gigantischen 8-bit-Computern, die damals Häuser füllten, und eine Speicherkapazität hatten, die heute von jedem Handy gleich mehrfach übertroffen wird. Ziel war es, mit diesen Persönlichkeitprofilen mühsam das zu ermitteln, was heute jeder in seinem Facebook-Profil preisgibt. Schöne neue Welt!



Hier war der Wunsch Vater des Gedankens
Während dieser Musiker seine Anzeige zu Papier brachte, dachte er wohl weniger an den zukünftigen Gitaristen, sondern eher an eine vermutlich von ihm sehr verehrte Gitta. Zum Glück war der Inserent kein Chemiker, sonst wäre zu dem Gittarist wohl noch der Basist hinzugekommen.



Es duftet nach Weihnachten
Und  zu guter Letzt noch ein liebevoller Weihnachtsgruß, der hier natürlich als abschreckendes Beispiel und nicht zur Nachahmung zu verstehen ist. Wie dieser Aufruf zum Rechtsbruch und die Herabwürdigung von Tieren Eingang in die WIR finden konnte, wäre eigentlich noch eine Untersuchung wert, aber vermutlich ist diese Straftat bereits verjährt. P.Woodstock, da hast du aber nochmal Glück gehabt!